Schneckengetriebe und Schneckengetriebemotoren – kompakte Kraftübertragung mit hoher Übersetzung zum kleinen Preis

Titelbild für Beitrag Schneckengetriebe mit einem Schneckengetriebe und einem Schneckengetriebemotor

Schneckengetriebe gehören zu den Klassikern der Antriebstechnik und Maschinenelemente. Du findest sie überall dort, wo große Übersetzungen, hohe Drehmomente, eine kompakte Bauform und oft auch eine Selbsthemmung gefragt sind.

Sie haben einen vergleichsweisen einfachen Aufbau und einige Besonderheiten, die du kennen solltest.

In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über Grundlagen, Aufbau, Funktion, Vor- und Nachteile, typischen Anwendungen und Hersteller von Schneckengetriebe.

 Was ist ein Schneckengetriebe?

Ein Schneckengetriebe gehört zu der Gruppe der Winkelgetriebe. Es ermöglicht eine Kraftübertragung um 90° und besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten:

  • der Schnecke (ähnlich einer Schraube)
  • dem Schneckenrad (Zahnrad mit schrägverzahnten Zähnen)
  • dem Gehäuse (kleine Ausführungen aus Aluminium, größere aus Grauguss)

 Durch die besondere Geometrie lassen sich mit nur einer Getriebestufe sehr hohe Übersetzungen realisieren – meist zwischen i = 5 und i = 100, in Sonderfällen sogar darüber.

Schneckengetriebe und ihre Technologie wurden von Vielen schon als tot angesehen. Dennoch werden sie auch heutzutage häufig im Maschinenbau verwendet. Sie sind unschlagbar was die Kombination aus Kompaktheit + Übersetzung + Kosteneffizienz angeht.

Was dich in diesem Artikel erwartet:

Grundlagen und wichtige Begriffe rund um Schneckengetriebe

Damit du Schneckengetriebe und Getriebe im Allgemeinen besser einordnen kannst, sind diese Begriffe wichtig: 

  • Übersetzung, Übersetzungsverhältnis (i): Verhältnis von Eingangs- zu Ausgangsdrehzahl. Schneckengetriebe ermöglichen hohe Übersetzungen in nur einer Stufe (ins Langsame). Wenn ein Getriebe die Drehzahl reduziert, wird das Drehmoment erhöht.
  • Wirkungsgrad (η): Aufgrund des hohen Gleitanteils liegt der Wirkungsgrad meist niedriger als bei Stirn- oder Kegelradgetrieben.
  • Selbsthemmung: Bei bestimmten Auslegungen kann das Schneckenrad die Schnecke nicht antreiben – das Getriebe wirkt dann wie eine mechanische Bremse.
  • Achsversatz / Achswinkel: Typischerweise 90°, was die Integration in kompakte Maschinenlayouts erleichtert.

 

 

Aufbau eines Schneckengetriebes: Schnecke, Schneckenrad als wichtige Kombination

Der Kern des Schneckengetriebes ist die Gleitverzahnung, also die Kombination der Schnecke mit dem Schneckenrad. Während bei Stirnrädern überwiegend Rollbewegung vorliegt, gleiten bei Schneckengetrieben die Zahnflanken aneinander entlang.

 

Typischer Aufbau von Schneckengetrieben:

  • Schnecke aus gehärtetem Stahl
  • Schneckenrad aus Bronze oder Messing
  • Gehäuse aus Grauguss oder Aluminium
  • Lager zur Aufnahme hoher Axialkräfte
  • Ölfüllung zur Schmierung und Kühlung

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Funktion eines Schneckengetriebes

Die rotierende Schnecke „schraubt“ sich durch das Schneckenrad und treibt dieses an. Es gibt eingängige, zweigängige oder mehrgängige Schnecken (bis zu vier Gängen). Die Anzahl der Schneckengänge hat Einfluss auf die Übersetzung. Je höher die Gangzahl bei gleichem Schneckenrad, desto niedriger die Übersetzung. Meist werden eingängige Schnecken verwendet. Je nach Steigungswinkel der Schnecke verändert sich Wirkungsgrad und Selbsthemmung.

Die Drehbewegung der Schnecken wird meist von einem Drehstrom- Motor erzeugt. Die Kombination ist der sogenannte Schneckengetriebemotor.

Das Video „Wie funktioniert ein Schneckengetriebe? | Statische und dynamische Selbsthemmung (Selbstbremsung)“ von Andreas Höfler erklärt anschaulich die Funktion eines Schneckengetriebes:

 

Vorteile und Nachteile von Schneckengetrieben

 Vorteile ✅

  • Sehr hohe Übersetzungen in einer Stufe (bis i = 100 und mehr)
  • Kompakte Bauweise
  • Ruhiger, geräuscharmer Lauf
  • Kostengünstiges Getriebe
  • Möglichkeit der Selbsthemmung
  • Einfache Realisierung von 90°-Umlenkungen

 

Nachteile ❌

  • Geringerer Wirkungsgrad durch Gleitreibung
  • Höhere Wärmeentwicklung
  • Erhöhter Verschleiß bei falscher Schmierung
  • Nicht ideal für dauerhaft hohe Leistungen

 

In Anwendungen mit vielen Betriebsstunden, hoher Einschaltdauer und hohem Leistungsbedarf solltest du den Wirkungsgrad besonders kritisch betrachten.

  

Arten von Schneckengetrieben

Je nach Ausführung und Einsatzgebiet gibt es unterschiedliche Varianten:

 

Zylinder- Schneckengetriebe

  • Klassische Bauform
  • Schnecke und Schneckenrad mit zylindrischer Geometrie
  • Kostengünstig und weit verbreitet

Vorteil: einfache Herstellung

Nachteil: geringerer Wirkungsgrad

 

Globoid- Schneckengetriebe

  • Optimierte Zahnform bzw. Schneckengeometrie
  • Größere Kontaktfläche zwischen Schnecke und Schneckenrad

Vorteil: höherer Wirkungsgrad, geringerer Verschleiß

Nachteil: aufwendigere Fertigung

 

Doppelschneckengetriebe

  • Kombination von zwei Scneckengetrieben

Vorteil: extrem hohe Untersetzungen (bis i = 3000 und höher)

Nachteil: nochmals geringerer Gesamtwirkungsgrad

 

Typische Anwendungen von Schneckengetrieben und Schneckengetriebemotoren

 

Schneckengetriebe kommen überall dort zum Einsatz, wo Kompaktheit und hohe Übersetzung wichtiger sind als maximale Effizienz:

  • Fördertechnik (Band- und Rollenförderer)
  • Hub- und Verstellantriebe
  • Verpackungsmaschinen
  • Tor- und Klappenantriebe
  • Stellmotoren in der Automatisierungstechnik
  • Kleine Maschinen und Geräte mit intermittierendem Betrieb

Besonders beliebt sind sie dort, wo die Selbsthemmung ein zusätzliches Bremssystem überflüssig macht.

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Selbsthemmung bei Schneckengetrieben

Selbsthemmung bedeutet, dass das Abtriebselement den Antrieb nicht zurückdrehen kann. Anders gesagt: Drehst du die Schnecke, bewegt sich das Schneckenrad – aber nicht umgekehrt.

Das ist besonders vorteilhaft, wenn ohne zusätzliche Bremse oder Verriegelung eine Last in Position gehalten werden soll.

Selbsthemmung ist immer mit Reibung verbunden. Selbsthemmende Getriebe haben immer einen geringeren Wirkungsgrad als nicht selbsthemmende Getriebe. Üblicherweise liegt der Wirkungsgrad bei selbsthemmenden Schneckengetrieben unter 50%. Oberhalb von 50% sind Schneckengetriebe oft nicht selbsthemmend, wobei die Grenze fließend ist.

 

Aber Achtung vor Missverständnissen:

„Ein selbsthemmendes Schneckengetriebe braucht keine Bremse.“
➡️ Falsch. Schmierung, Verschleiß oder Vibrationen können die Selbsthemmung aufheben.

„Selbsthemmung ist immer garantiert.“
➡️ Nein. Sie ist kein normiertes Sicherheitsmerkmal.

In einer sicherheitsrelevanten Anwendungen ersetzt Selbsthemmung niemals eine Bremse!

Sie darf höchstens:

  • zur Positionsstabilisierung
  • zur Entlastung einer Haltebremse
  • als zusätzlicher Effekt

genutzt werden.

 

 

Hersteller von Schneckengetrieben

Es gibt eine große Auswahl an Standard- und Sonderlösungen. Bekannte Hersteller sind unter anderem:

Diese Anbieter decken ein breites Spektrum von kleinen Standardgetrieben bis hin zu kundenspezifischen Industrieausführungen ab.

 

 

Fazit: Wann ist ein Schneckengetriebe die richtige Wahl?

Ein Schneckengetriebe ist dann sinnvoll, wenn du:

  • eine hohe Übersetzung brauchst
  • wenig Bauraum zur Verfügung hast
  • eine günstige Getriebelösung suchst
  • einen ruhigen Lauf bevorzugst
  • von Selbsthemmung profitieren willst

 

Für energieeffiziente Anwendungen mit hohen Leistungen gibt es oft bessere Alternativen. Für kompakte, robuste und einfache Anwendungen bleibt das Schneckengetriebe jedoch ein echtes Arbeitstier und eine kostengünstiges Getriebe.

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