
Schneckengetriebe gehören zu den Klassikern der Antriebstechnik und Maschinenelemente. Du findest sie überall dort, wo große Übersetzungen, hohe Drehmomente, eine kompakte Bauform und oft auch eine Selbsthemmung gefragt sind.
Sie haben einen vergleichsweisen einfachen Aufbau und einige Besonderheiten, die du kennen solltest.
In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über Grundlagen, Aufbau, Funktion, Vor- und Nachteile, typischen Anwendungen und Hersteller von Schneckengetriebe.
Ein Schneckengetriebe gehört zu der Gruppe der Winkelgetriebe. Es ermöglicht eine Kraftübertragung um 90° und besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten:
Durch die besondere Geometrie lassen sich mit nur einer Getriebestufe sehr hohe Übersetzungen realisieren – meist zwischen i = 5 und i = 100, in Sonderfällen sogar darüber.
Schneckengetriebe und ihre Technologie wurden von Vielen schon als tot angesehen. Dennoch werden sie auch heutzutage häufig im Maschinenbau verwendet. Sie sind unschlagbar was die Kombination aus Kompaktheit + Übersetzung + Kosteneffizienz angeht.
Damit du Schneckengetriebe und Getriebe im Allgemeinen besser einordnen kannst, sind diese Begriffe wichtig:
Der Kern des Schneckengetriebes ist die Gleitverzahnung, also die Kombination der Schnecke mit dem Schneckenrad. Während bei Stirnrädern überwiegend Rollbewegung vorliegt, gleiten bei Schneckengetrieben die Zahnflanken aneinander entlang.
Typischer Aufbau von Schneckengetrieben:
Die rotierende Schnecke „schraubt“ sich durch das Schneckenrad und treibt dieses an. Es gibt eingängige, zweigängige oder mehrgängige Schnecken (bis zu vier Gängen). Die Anzahl der Schneckengänge hat Einfluss auf die Übersetzung. Je höher die Gangzahl bei gleichem Schneckenrad, desto niedriger die Übersetzung. Meist werden eingängige Schnecken verwendet. Je nach Steigungswinkel der Schnecke verändert sich Wirkungsgrad und Selbsthemmung.
Die Drehbewegung der Schnecken wird meist von einem Drehstrom- Motor erzeugt. Die Kombination ist der sogenannte Schneckengetriebemotor.
Das Video „Wie funktioniert ein Schneckengetriebe? | Statische und dynamische Selbsthemmung (Selbstbremsung)“ von Andreas Höfler erklärt anschaulich die Funktion eines Schneckengetriebes:
Vorteile ✅
Nachteile ❌
In Anwendungen mit vielen Betriebsstunden, hoher Einschaltdauer und hohem Leistungsbedarf solltest du den Wirkungsgrad besonders kritisch betrachten.
Je nach Ausführung und Einsatzgebiet gibt es unterschiedliche Varianten:
Zylinder- Schneckengetriebe
Vorteil: einfache Herstellung
Nachteil: geringerer Wirkungsgrad
Globoid- Schneckengetriebe
Vorteil: höherer Wirkungsgrad, geringerer Verschleiß
Nachteil: aufwendigere Fertigung
Doppelschneckengetriebe
Vorteil: extrem hohe Untersetzungen (bis i = 3000 und höher)
Nachteil: nochmals geringerer Gesamtwirkungsgrad
Schneckengetriebe kommen überall dort zum Einsatz, wo Kompaktheit und hohe Übersetzung wichtiger sind als maximale Effizienz:
Besonders beliebt sind sie dort, wo die Selbsthemmung ein zusätzliches Bremssystem überflüssig macht.
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Selbsthemmung bedeutet, dass das Abtriebselement den Antrieb nicht zurückdrehen kann. Anders gesagt: Drehst du die Schnecke, bewegt sich das Schneckenrad – aber nicht umgekehrt.
Das ist besonders vorteilhaft, wenn ohne zusätzliche Bremse oder Verriegelung eine Last in Position gehalten werden soll.
Selbsthemmung ist immer mit Reibung verbunden. Selbsthemmende Getriebe haben immer einen geringeren Wirkungsgrad als nicht selbsthemmende Getriebe. Üblicherweise liegt der Wirkungsgrad bei selbsthemmenden Schneckengetrieben unter 50%. Oberhalb von 50% sind Schneckengetriebe oft nicht selbsthemmend, wobei die Grenze fließend ist.
Aber Achtung vor Missverständnissen:
❌ „Ein selbsthemmendes Schneckengetriebe braucht keine Bremse.“
➡️ Falsch. Schmierung, Verschleiß oder Vibrationen können die Selbsthemmung aufheben.
❌ „Selbsthemmung ist immer garantiert.“
➡️ Nein. Sie ist kein normiertes Sicherheitsmerkmal.
In einer sicherheitsrelevanten Anwendungen ersetzt Selbsthemmung niemals eine Bremse!
Sie darf höchstens:
genutzt werden.
Es gibt eine große Auswahl an Standard- und Sonderlösungen. Bekannte Hersteller sind unter anderem:
Diese Anbieter decken ein breites Spektrum von kleinen Standardgetrieben bis hin zu kundenspezifischen Industrieausführungen ab.
Ein Schneckengetriebe ist dann sinnvoll, wenn du:
Für energieeffiziente Anwendungen mit hohen Leistungen gibt es oft bessere Alternativen. Für kompakte, robuste und einfache Anwendungen bleibt das Schneckengetriebe jedoch ein echtes Arbeitstier und eine kostengünstiges Getriebe.