2025 im Technischen Handel: Ein Jahr, das in der Branche Vieles veränderte.

Kollage aus verschiedenen Maschinenelementen und Überschrift "Das war 2025 im technischen Handel"

Ein herausforderndes Jahr für den Maschinenbau und technischen Handel liegt hinter uns

2025 ist Geschichte. 2026 noch ganz am Anfang. Wir ziehen Bilanz und blicken nach vorne.

Insbesondere im Maschinenbau, Anlagenbau und der Industrie war 2025 ein sehr intensives und schwieriges Jahr. Auch der technische Handel in Europa blieb von den schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen nicht verschont.

Wir gehen nicht auf globale Unsicherheiten, geopolitische Themen oder ähnliches ein. Wir beleuchten wirtschaftliche Druckfaktoren und vor allem Möglichkeiten, Wachstum zu generieren. Los geht’s.

Was dich in diesem Artikel erwartet:

Die wirtschaftliche Gesamtsituation im Maschinen- und Anlagenbau 2025

2025 stand im Zeichen der Rezession. Die EU-weite Produktion im Maschinen- und Anlagenbau schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1,7%. In der ersten Hälfte des Jahres ging die preisbereinigte Produktion um 3 % zurück, was besonders in Ländern wie Deutschland spürbar war. Insgesamt erwarten Experten in 2026 ein moderates Wachstum von 1,4 % für den europäischen Maschinenbau. Der Kostendruck wird voraussichtlich steigen und damit die Profitabilität sinken, was einen zusätzlichen Stellenabbau und Insolvenzen nach sich ziehen könnte.

Für technische Händler bedeutete das: geringere Auftragsvolumen bei ähnlichem Arbeitsaufwand und eine Notwendigkeit, effizienter zu wirtschaften.

 

Insolvenzen und Firmenkäufe bei technischen Händlern

2025 war ein Jahr intensiver Konsolidierung in der Branche. Speziell wegen vieler Insolvenzen. Diese trafen vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen, die unter dem Kostendruck und sinkenden Margen litten. Ein prominentes Beispiel ist die REIFF Group aus Deutschland. Noch im November 2024 kaufte österreichische Haberkorn GmbH je 25 Prozent der Anteile an der Reiff Technische Produkte GmbH sowie der Kremer GmbH. Im Juli 25 beantragte Reiff die Eröffnung eines Insolvenzverfahren. Im November wurde das Unternehmen schließlich von ERIKS N.V. (einem der Big Player im technischen Handel) gekauft. Damit stärkt Eriks die Marktposition in Europa / Deutschland.

Fast zeitgleich verkauft Eriks den Geschäftszweig ERIKS UK & Ireland an RUBIX (ein weiterer Big Player im technischen Handel). Das unterstreicht die klare Fokussierung von Eriks auf Zentraleuropa. Durch den Zukauf baut Rubix die Marktposition in Großbritannien und Irland deutlich aus und die Region wird zum zweitgrößten Regionalmarkt für das Unternehmen.

Für technische Händler bedeutet das: Übernamen und Firmenzukäufe hielten sich auf Grund von geringem Investitions- Kaptial in Grenzen, dennoch gab es einige durchaus interessante Zukäufe. Größere Konzerne wie Rubix und ERIKS bauen durch Zukäufe die Marktanteile aus und kaufen sich Markt- / Kundenzugang. Das kann Auswirkungen auf die Marktdominanz haben und für die beiden Unternehmen positive Skalierungseffekte nach sich ziehen.

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Der Kostendruck und seine Auswirkungen auf die Margen

Kostendruck war eines der dominanten Themen 2025. Steigende Materialpreise, Lieferkettenstörungen, neue Zölle und Kunden, die niedrigere Preise fordern. Dieser Mix drückt massiv auf die Margen. In der EU und UK schrumpfte der Maschinenbau-Ausstoß um weitere 1,4 %, was zu höheren Produktionskosten führte. Technische Händler spürten das direkt. In vielen Ländern führte das zu einer Stagnation auf niedrigem Niveau. Viele Händler suchten sich neue Beschaffungskanäle, um Kosten zu senken. Das könnte mittelfristig wieder in eine gewisse Abhängigkeit von den Beschaffungsquellen /- Ländern führen.

 

Hersteller bedienen Großkunden direkt

Ein wachsendes Risiko für Händler ist der Trend zum direkten Vertrieb und Verkäufen durch Hersteller. Nicht nur Automobilhersteller (z. B. Tesla und BYD in Europa) ihre Direktvertriebsstrategien. Auch Im Maschinenbau und der Industrie ist hier zumindest teilweise eine Tendenz erkennbar. Mit dem D2C Ansatz (Direct-to-Consumer) versuchen Hersteller die Distributoren zu umgehen, ihre Marge zu optimieren und die Kundenbeziehung selbst zu kontrollieren.

Einige der Vorteile für Hersteller einen D2C Ansatz zu verfolgen:

  • Direkte Kundeninformationen, Daten und Feedback
  • Erhöhte Profitabilität
  • Besserer Zugang zu Märkten
  • Bessere Steuerung der Marke und der Marketingaktivitäten (kann bei unterschiedlichen Distributoren unterschiedlich ausgeprägt sein)

 

Der Ansatz kann unterschiedlich ausgeprägt sein. So können Hersteller auf persönlichen Vertrieb und Beratung der Key Account Kunden setzten, oder eine „Digital-Only bzw. Digital-First“ Strategie verfolgen. Bei der Digitalstrategie liegt der Fokus auf einer digitale Customer Journey mit einer effizienten Ausgestaltung der Transaktionen. Großkunden werden mittels EDI (Electronic Data Interchange) oder OCI (Open Catalog Interface) angebunden oder nutzen einen Webshops/Onlineportale oder andere Schnittstellen um Daten auszutauschen, Bestellungen zu platzieren, etc.

Die Vorgehensweise birgt aber auch gewisse Risiken für die Hersteller:

  • Investitionskosten in Online-Plattform
  • Investition und Steuerung des Key Account Sales Teams
  • Erfüllung von spezifischen Kundenbedürfnissen / -anforderungen (welche Distributoren wegen ihres Geschäftsmodells erfüllen können)

 

In der Industrie bedeutet das: Großkunden werden zunehmend direkt beliefert, was den Umsatz von technischen Händlern schmälert. Besonders in Sektoren wie Maschinenbau, wo D2C-Modelle (Direct-to-Consumer) an Fahrt aufnehmen, können Händler dadurch ihre Mittlerrolle verlieren. Händler müssen dem bewusst entgegenwirken, indem sie ihre Wertschöpfung und das Geschäftsmodell überdenken / erweitern. Mögliche Ansätze können sein:

  • Beratungsleistung und Service steigern (Online und/oder persönlich)
  • Lokalität: Ansprechpartner sind „Vor-Ort“ oder zumindest kurzfristig verfügbar. Die benötigte Ware ist nahe der Großkunden lagernd. Das ermöglicht weitere Services wie Just-In-Time oder Just-in-Sequence Lieferungen.
  • Portfolioerweiterung: Wenn Händler durch ein erweitertes Produktangebot den Bedarf ihrer Kunden besser abdecken, können die Kunden die Anzahl der Lieferanten reduzieren. Dadurch reduzieren sich Schnittstellen und Komplexität.

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Lokalität der technischen Händler und ihre Relevanz

Digitalisierung hat 2025 die Bedeutung lokaler Präsenz weiter verringert. Technische Händler (speziell kleinere Unternehmen), die traditionell auf lokale Nähe setzen, sehen sich durch E-Commerce und globale Lieferketten bedroht. Der Fokus scheint sich weiter von “vor Ort” zu “online verfügbar” zu verschieben. Das betrifft vor allem kleine, regionale Player deren Digitalkompetenz und digitale Dienstleistungen noch nicht entsprechend ausgebaut sind.

Dennoch bleibt Lokalität aus unserer Sicht speziell in Bereichen wie Wartung relevant. Auch wenn Lokalität einen Mehrwert schafft, bleibt sie relevant. Das gelingt z.B. durch Logistiklösungen und Just-in-Time / Just-in-Sequence Belieferungen. Am besten kombiniert mit kundenindividueller Verpackung und Labeling.

 

Optimistisch in die Zukunft? Die Chancen, die sich ergeben

Trotz der Herausforderungen bieten sich auch immer wieder Chancen. Und es hilft ja auch nicht, den Kopf in den Sand zu stecken und Trübsal zu blasen. Da ist es doch besser, kräftig in die Hände zu spucken und Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Wenn man die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt stellt, bleibt man relevant und entwickelt sich automatisch weiter.

Hier die aus unserer Sicht die größten Enabler für den technischen Handel in 2026:

  • Digitalisierung (OCR, EDI, Online-Shop, Online-Tools,…)
  • Künstliche Intelligenz für: Anfragebearbeitung, Angebotserstellung, Bestellerfassung, technischen Chatbot, Hilfe beim Finden von Alternativprodukten, die Wettbewerbsbeobachtung, Content-Erstellung, Bestandsoptimierung,…
  • Erweiterung des Produktsortiments/ Portfolios (bei bestehenden Lieferanten oder durch neue Partnerschaften)
  • Firmenzukäufe um Marktanteil zu erhöhen oder um rasch Marktzugang zu bekommen(sicherlich nur sehr bedingt realisierbar)
  •  

Eine Abschätzung der Entwicklung für 2026

Für 2026 zeichnet sich eine vorsichtige Erholung auf niedrigem Niveau ab, doch Stagnation bleibt möglich. Wie der Verband Technischer Handel die Entwicklungen und Erwartungen 2025/2026 zusammenfasst kannst du hier nachlesen. Der Wettbewerb wird sich vermutlich weiter verschärfen und die Kostensituation sich kaum entspannen. Das belastet die Margensituation und kann für Unternehmen existenzbedrohend sein.

Dadurch ergeben sich wiederum Chancen, da Wettbewerber wegbrechen oder zum Verkauf stehen. Mit strategischen Zukäufen kann man Marktanteile erhöhen, in neue Märkte eintreten und Kunden übernehmen. 2026 kann es zu interessanten Markverschiebungen kommen, wenn einige der Big Player angeschlagene kleinere und mittlere technische Händler übernehmen, oder ein Unternehmen mit aggressiver Akquisitionsstrategie zu den Großen aufschließt.

Technische Händler sollten aus unserer Sicht auf Digitalisierung setzen, um Margen zu halten und Kunden schon zu Beginn der Customer Journey in der Recherchephase gefunden zu werden und bestenfalls einen echten Mehrwert zu liefern. KI sollte als Chance gesehen werden und erste Projekt in Angriff genommen werden. 

Zusammenfassend: 2025 war herausfordernd. 2026 wird kaum anders. Für technische Händler gilt: Ärmel hoch, clever Anpassen und zurück auf Erfolgskurs. Wir wünschen viel Erfolg dabei und ein erfolgreiches 2026!

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